“Pöse Killerspiele” – nächster Akt

Eigentlich finde ich die Zeitung “Welt” und ihren Webauftritt “www.welt.de” ganz gut. Ich lese dort ganz gerne, weil dort oft auch mal Artikel erscheinen, die sich gegen den neuen Hype “je weiter politisch links, desto besser” richten. Aber das ist ein anderes Thema, das ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen möchte, denn ich könnte eh schon kotzen.

Besagte Zeitung hat mich nämlich heute herbe mit dem Leitartikel auf der Startseite ihres Webauftrittes enttäuscht. Dabei handelt es sich um einen Artikel über den gestrigen Amoklauf. Dass diese Tat groß auf der Startseite erwähnt wird, ist natürlich nur richtig, da es sich doch um ein (fast) unvergleichliches Drama handelt. Doch die Art und Weise wie das Thema aufgegriffen wird, ist wieder mal unter aller sau, denn die Headline lautet: “Amokläufer spielte gewalttätige Videospiele”.

Ich verstehe nicht wie man angesichts einer solchen Tragödie immer wieder die Videospiele in das Zentrum der Aufmerksamkeit hievt. Ich werde gar nicht weiter darauf eingehen, wie schlecht informiert manche Autoren von solchen Behauptungen sind, oder dass sie gar wissend Unwahrheiten oder zweifelhafte Studien über böse Computerspiele rausposaunen um Aufmerksamkeit zu erregen. Das wird in vielen, vielen anderen Veröffentlichungen ausreichend diskutiert. Aber ich hatte die Hoffnung, dass das Thema doch langsam mal zu ausgelutscht ist um ihm eine Headline zu spendieren. Dies ist scheinbar nicht der Fall. Jedenfalls nicht bei der “Welt”.
Ich habe gar nichts dagegen, wenn in einem Artikel das Thema Computerspiele mitbehandelt wird (solange es nicht gleich wieder in einen Generalverdacht ausartet), da es mit Sicherheit auch einen kleinen Baustein dazu beiträgt das Innenleben des Täters besser zu verstehen. Aber mit diesem Aufmacher ist jegliche sachliche Diskussion dahin. Computerspiele = Saat des bösen.

Viel weniger wird beispielsweise hinterfragt, wieso im Elternhaus unbedingt 18 Schusswaffen vorhanden sein müssen? Wieso eine dieser Waffen nicht weggeschlossen ist? Wo der Täter gelernt hat, seine Opfer treffsicher mit einem Kopfschuss zu töten?

Ich schreie hier nicht nach Waffenlobby, Anti-Computerspiellobby oder sonst irgendwelchen Verschwörungstheorien. Ich denke einfach, viele Redakteure sind einfach faul und bequem. Wieso sich mit einem Thema genauer befassen, wenn man auch einfach gegen Computerspiele wettern kann. Das findet auch viele Leser und ist in 30 Minuten runtergetippt. Schließlich kann man sich ja aus 100ten Artikeln der letzten Jahre bedienen und muss sich nicht selbst Gedanken machen. Ach ja … *kotz*

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